Zwei, drei Euro für eine Kugel – und irgendwer erinnert sich immer an 30 Pfennig. Ist Eis zu teuer geworden? Wir schauen uns an, was hinter den Eispreisen steckt. Spoiler: Die Kugel von damals und die Kugel von heute sind zwei verschiedene Dinge.
Warum ist das Eis so teuer geworden?
Laut dem Verband der italienischen Eiskonditoren Uniteis drücken höhere Kosten für Personal, Energie, Mieten und Zutaten wie Milch, Sahne und Früchte auf die Betriebe – dazu Personalmangel und der Mindestlohn (Handelsblatt/dpa (28.06.2025)). Eisdielen brauchen außerdem viel Strom: Produktion, Vitrinen und Lager laufen gekühlt (ZDFheute (12.04.2025)).
Die Kugel ist größer geworden
Ein Punkt, den viele vergessen: In den 1960er- und 70er-Jahren war eine Kugel laut Uniteis so klein wie ein Eidotter, etwa 25 bis 30 Gramm. Heute wiegt sie 80 bis 110 Gramm (ZDFheute (12.04.2025)). Wer die 30-Pfennig-Kugel von damals mit heute vergleicht, vergleicht also eine Mini-Portion mit einer drei- bis viermal so großen.
Zutaten: Kakao, Milch, Sahne
Besonders Schokolade hat zugelegt. Nach schwachen Ernten in Westafrika stieg der Kakaopreis 2024 auf über 12.000 US-Dollar je Tonne (ORF). Die Importpreise für Kakaobohnen haben sich laut Statistischem Bundesamt von Januar 2024 bis Januar 2025 mehr als verdoppelt (ZDFheute (12.04.2025)). Seit Mitte 2025 fällt der Kakaopreis zwar wieder – Schokoladeneis wird aber mit Vorlauf eingekauft und kalkuliert. Teurer geworden sind laut Uniteis auch Milch, Sahne, Früchte und Kaffee (Handelsblatt/dpa (28.06.2025)).

Personal und Mindestlohn
Eis wird portioniert, nicht abgepackt – jede Kugel geht durch eine Hand. Der gesetzliche Mindestlohn lag bei seiner Einführung 2015 bei 8,50 € pro Stunde, 2024 bei 12,41 €, 2025 bei 12,82 € und seit dem 1. Januar 2026 bei 13,90 €. Für 2027 sind 14,60 € beschlossen (IHK Hannover). Laut Uniteis entfallen rund 30 % des Kugelpreises auf Personal (Deutsche Handwerks Zeitung (22.04.2025)).
Miete und Energie
Eisdielen liegen dort, wo Menschen spazieren gehen: in Innenstädten, an Plätzen, in Einkaufsstraßen. Genau da sind die Mieten am höchsten – und das spürst du in den Eispreisen. Eine Kugel in der Münchner Innenstadt mit großer Terrasse kostet deshalb mehr als in der Dorfeisdiele (Handelsblatt/dpa (28.06.2025)). Miete, Versicherungen, Werbung, Abschreibungen und Instandhaltung machen laut Uniteis zusammen rund 30 % des Preises aus (Deutsche Handwerks Zeitung (22.04.2025)).
Mehrwertsteuer und Eispreise: 7 oder 19 Prozent?
Seit dem 1. Januar 2026 gilt auf Speisen in Restaurants, Cafés und im Catering dauerhaft der ermäßigte Satz von 7 %. Getränke bleiben bei 19 % (IHK Frankfurt am Main). Für Eis heißt das: Egal ob zum Mitnehmen oder am Tisch, es sind 7 %. 2024 und 2025 lag der Satz für Speisen vor Ort bei 19 %.
Eispreise: Ist Eis stärker gestiegen als alles andere?
Ein bisschen. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Verbraucherpreise von 2000 bis 2024 insgesamt um 19,3 %. Abgepacktes Speiseeis wurde im selben Zeitraum um 31,1 % teurer, der Nachtisch im Restaurant um 30,8 % (ZDFheute (12.04.2025)). Die Eispreise im Schnitt: Eine Kugel kostete 2023 1,62 €, 2024 1,72 € und im Frühjahr 2025 1,81 € – mit einer Spanne von rund 1,30 € auf dem Land bis 2,80 € in Hamburg oder München (Handelsblatt/dpa (28.06.2025)).
Was bleibt am Ende übrig?
Weniger, als die Eispreise vermuten lassen: Laut Uniteis bleiben einer Eisdiele im Schnitt rund 10 % des Kugelpreises als Gewinn vor Steuern (Deutsche Handwerks Zeitung (22.04.2025)). Die komplette Aufteilung mit Grafik findest du in unserem Artikel Was kostet eine Kugel Eis?
Häufige Fragen
Warum ist das Eis so teuer geworden?
Vor allem wegen höherer Kosten für Personal, Energie, Miete und Zutaten wie Kakao, Milch und Sahne. Dazu sind die Kugeln heute deutlich größer als früher: laut Uniteis 80 bis 110 Gramm statt 25 bis 30 Gramm in den 1960er- und 70er-Jahren.
Was kostet eine Kugel Eis im Durchschnitt?
Laut einer Umfrage von coupons.de unter 176 Eisdielen lag der Durchschnitt im Frühjahr 2025 bei 1,81 Euro, 2024 bei 1,72 Euro und 2023 bei 1,62 Euro.
Welche Mehrwertsteuer gilt auf Eis in der Eisdiele?
Seit dem 1. Januar 2026 gilt auf Speisen in der Gastronomie wieder 7 Prozent – auch wenn du dein Eis vor Ort isst. 2024 und 2025 waren es vor Ort 19 Prozent.
Wird Eis wieder billiger?
Einzelne Kosten sinken – Kakao etwa ist seit Mitte 2025 wieder günstiger, und die Mehrwertsteuer vor Ort liegt seit 2026 wieder bei 7 Prozent. Löhne, Mieten und Energie bleiben aber hoch, der Mindestlohn steigt 2027 weiter.
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Quellen
- ZDFheute (12.04.2025): Warum die Eiskugel teurer geworden ist – Zahlen von Uniteis und Statistischem Bundesamt
- Handelsblatt/dpa (28.06.2025): Ist Eis zu teuer? Kugelpreise (coupons.de) und YouGov-Umfrage
- Deutsche Handwerks Zeitung (22.04.2025): So setzt sich der Preis für eine Kugel Eis zusammen – Aufteilung laut Uniteis
- ORF: Kakaopreise – Höchststände 2024 und Rückgang seit Mitte 2025
- IHK Hannover: Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro
- IHK Frankfurt am Main: Reduzierter Mehrwertsteuersatz auf Speisen ab 1. Januar 2026
